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Erinnerungspaten

Erinnern für die Zukunft: Regierungspräsidentin Dorothee Feller (nicht im Bild) hat zwei geschichtliche Projekte auf den Weg gebracht: v.l. Schulabteilungsleiter Wolfgang Weber, Peter Schilling (Erinnerungspate), Dr. Christoph Spieker (Leiter Villa ten Hompel), Judith Neuwald-Tasbach (Erinnerungspatin), Matthias Ester (Erinnerungspate), Daniel Gollmann (Historiker), Ulrike Schneider-Müller (Bezirksregierung Münster), Kim Keen (Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium/Villa ten Hompel), Kathrin Schlicher (Sozialpädagogin Förderschule Marl) © Matthias Ahlke/Westfälische Nachrichten


01.02.2018
Erinnern für die Zukunft

Regierungspräsidentin gibt zwei geschichtliche Projekte auf den Weg

Münster. Wie sollen Schülerinnen und Schüler weiter aus der Geschichte von 1933 bis 1945 lernen, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt? Wie kann die Zeit des Nationalsozialismus erlebbar und die Schrecken des Holocaust vermittelt werden, wenn die Generation der Menschen, die diese Zeit als Opfer miterlebt und überlebt haben, verstorben sind? Erinnern für die Zukunft – diesen Auftrag hat sich nicht nur das Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen auf die Fahnen geschrieben. Unter der Schirmherrschaft von Regierungspräsidentin Dorothee Feller hat die Bezirksregierung Münster diese Herausforderung angenommen und zwei Projekte entwickelt, deren Hauptadressaten Bildungseinrichtungen sind und die das „Erinnern für die Zukunft“ sichern sollen.

Ein Auftrag der Gesellschaft liegt darin, das Andenken an die Opfer von Verfolgung und Gewalt zu bewahren, auch wenn diese selber nicht mehr zu Wort kommen können. Eine solche Erinnerungskultur ist für unsere Gesellschaft ein tragfähiges Fundament für die Achtung der Menschenwürde in einer demokratischen Grundordnung. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dafür gilt es insbesondere zukünftige Generationen zu sensibilisieren, die keinen unmittelbaren, familiären Bezug zur Zeit des National­sozialismus (mehr) haben.

RP Feller

Regierungspräsidentin Dorothee Feller hat die Schirmherrschaft über die Erinnerungspaten übernommen: „Die Möglichkeit, echte Lebensgeschichten zu hören, die von persönlichen Emotionen und Eindrücken geprägt sind, übertrumpft jede Unterrichtsstunde nach Geschichtsbuch.“ © Bezirksregierung Münster

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Regierungspräsidentin Dorothee Feller machte bei der Vor­stellung der Projekte deutlich, wie wichtig ihr dieser gesamt­gesell­schaftliche Auftrag ist. „Das Wissen über die schrecklichen Gräuel­taten im National­sozialismus, welches meine Generation noch von Über­lebenden ver­mittelt bekommen hat, ist für die kommenden Generationen so nicht mehr erfahrbar. Mit der vorliegenden Hand­reichung und dem Projekt Erinnerungs­paten geben wir jungen Menschen die Chance auf das Erlebte einzelner Personen dauer­haft zuzugreifen und diese Erinnerung lebendig zu halten, damit solche Verbrechen an Menschen nie wieder geschehen können“, sagte Feller beim Presse­gespräch am Domplatz in Münster.

„Erinnerungspaten – erinnern über die Zukunft hinaus“

Um die Stimme der Überlebenden nicht verstummen zu lassen, wird ein Übermittler ihrer Geschichte gebraucht. Das Projekt „Erinnerungspaten“ widmet sich der Erinnerung an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus entrechtet, verfolgt und gequält wurden. Ihre individuelle Geschichte wird durch ausgewählte Erinnerungspaten wachgehalten. Konkret heißt das: ein Erinnerungspate kann in die Schule eingeladen werden und über das Leben des Zeitzeugen stellvertretend berichten. Die Erinnerungspaten kannten den Zeitzeugen. Sie erzählen dessen Geschichte. Der Pate hatte eine persönliche Beziehung zu dem Menschen hinter der Geschichte. Das ist das Besondere an diesem Projekt.

Für das Projekt „Erinnerungspaten – Erinnern über die Zeitzeugenschaft hinaus“ konnten bislang neun Erinnerungspaten aus dem Regierungsbezirk Münster gewonnen werden. Sie haben die Zeitzeugen persönlich gekannt und sind bereit vor Schulklassen aus deren Leben zu berichten. Auf einer moodle-Plattform stellen sich der Zeitzeuge und auch die Erinnerungspaten in kurzen Biographien vor, so dass Lehrkräfte mit den möglichen Erinnerungspaten über diese Plattform Kontakt herstellen können. Alle weiteren notwendigen Informationen zu diesem Projekt sind dort abrufbar.

Interviews mit Shoah-Überlebenden aus dem Regierungsbezirk Münster

Das zweite Projekt hat ebenfalls den Anspruch, die Lebensgeschichten der Überlebenden aus dem Bereich der Bezirksregierung Münster nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dafür wurden elf Video-Interviews ausgewählter Zeugen der Shoah (nationalsozialistischen Völkermord an den Juden Europas) für den pädagogischen Einsatz gekürzt und eine Handreichung als Begleitmaterial von Jürgen Düttmann (Oberstudienrat a.D.), Historiker Daniel Gollmann, Lehrerin Kim Keen (Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium Münster und Mitarbeiterin der Villa ten Hompel), Kathrin Schlicher (Förderschule Marl) und Ulrike Schneider-Müller vom Lehrerfortbildungsdezernat der Bezirksregierung Münster erarbeitet. Durch den medialen Einsatz wird auf die Bedürfnisse der immer stärker visuell geprägten jüngeren Generation reagiert. Das aufbereitete Material eignet sich zum Einsatz in allen Schul- und Klassenstufen der Sekundarstufe I und II. Zudem gibt es Hinweise in leichter Sprache und konkrete Anregungen für den inklusiven Geschichtsunterricht. Des Weiteren wurde ein bilinguales Angebot ausgearbeitet.

Beide Ansätze dienen also der Schaffung einer Erinnerungskultur, in der unsere moralischen Zeugen ihre Lebensgeschichten weiterhin für die Gesellschaft zugänglich machen können und somit auch an dem gesellschaftlichen Konsens anzuknüpfen, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen dürfen.

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