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Bevölkerungsentwicklung im Münsterland rückläufiger als gedacht
Neue Modellrechnung zum Demographischen Wandel
Münster. Im Jahr 2030 wird die Bevölkerung im Münsterland im Durchschnitt 6,3 Jahre älter sein als heute. Das geht aus Auswertungen der Bezirksregierung Münster und einer Studie zur Bevölkerungsentwicklung des Landesbetriebs Information und Technik hervor. Im Vergleich zum Bevölkerungsbericht 2005 vollzieht sich die Alterung der Gesellschaft schneller, als noch vor vier Jahren erwartet wurde.
Erstmals liegen nun auch flächendeckend für alle Kommunen des Landes Nordrhein-Westfalen landesweit abgestimmte und vergleichbare Prognosen und Modellrechnungen zur künftigen Bevölkerungsentwicklung auf Gemeindeebene vor.
Danach werden einige Städte im Münsterland sogar noch erheblich stärker altern. So werden die Einwohner von Everswinkel voraussichtlich mit einem Durchschnittsalter von 55,4 Jahren fast 15 Jahre älter sein als heute. In Dorsten wird das sogenannte „Medianalter“ um knapp 10 Jahre über dem heutigen liegen. Schöppingen wird dagegen 2030 mit durchschnittlich 41 Jahren wahrscheinlich die jüngste Bevölkerung im Regierungsbezirk Münster haben. In Münster und Gelsenkirchen wird das Medianalter bis 2030 nur um 3 Jahre und in Lengerich nur um 3,1 Jahre zunehmen.
Der entscheidende Grund für diese Entwicklung sind neben der bisher schon sehr unterschiedlichen Altersstruktur die Zu- und Abwanderungen in den einzelnen Kommunen.
Die Bevölkerungszahl im gesamten Regierungsbezirk Münster hatte bereits 2003/2004 ihr Maximum erreicht. Während die Einwohnerzahl in der Emscher-Lippe-Region allerdings schon seit 1994 zurückgeht, wird für das Münsterland erst ab dem Jahr 2020/2021 ein dauerhafter Bevölkerungsrückgang erwartet. So sind in der Emscher-Lippe-Region schon seit mehreren Jahren mehr Sterbefälle als Geburten zu verzeichnen. Im Münsterland steht dieser Wandel in den nächsten Jahren noch bevor. Von dem bisherigen statistischen Geburtenüberschuss im gesamten Regierungsbezirk wird nichts mehr übrig bleiben.
Die Wanderungsprognosen sind dagegen für den Regierungsbezirk Münster leicht positiv: So verlegen mehr Menschen ihren Wohnsitz in das Münsterland als wegziehen. Auch in der Emscher-Lippe-Region wird sich langfristig das jetzt noch negative Wanderungssaldo in den positiven Bereich verschieben. Im NRW-Vergleich schneidet das Rheinland allerdings deutlich besser ab.
Im Münsterland wird die Bevölkerung zwar noch weiter wachsen, aber voraussichtlich schon im Jahr 2020/21 ihren Maximalstand erreichen, zwei Jahre früher als erwartet. Außerdem werden es mit knapp 1,6 Millionen rund 15.000 Menschen weniger sein als prognostiziert.
Nach der Modellrechnung wird sich die Einwohnerzahl im Regierungsbezirk Münster weiter von derzeit 2,6 Millionen Menschen auf 2,5 Millionen im Jahr 2030 reduzieren, was einem Minus von 3,9 Prozent entspricht. Der Regierungsbezirk Münster entwickelt sich damit ähnlich wie das gesamte Land NRW. Er liegt in seiner Entwicklung über der Einwohnerentwicklung des Ruhrgebiets und der beiden anderen westfälischen Regierungsbezirke, aber unter der des Kölner Raums.
Das Münsterland wird bis 2020 allerdings noch geringfügig wachsen (+ 0,6 Prozent) und danach Einwohnerrückgänge zu verzeichnen haben.
Positiv fällt dagegen wahrscheinlich die Einwohnerentwicklung in der Stadt Münster (über + 5 Prozent bis 2030) und im Kreis Borken (fast + 3 Prozent bis 2030) aus.
Von allen Gemeinden müssen im Regierungsbezirk Münster mit dem stärksten Rückgang bis 2030 rechnen: Wadersloh mit über 20 Prozent, Herten mit über 15 Prozent, Dorsten und Warendorf mit fast 13 Prozent Mettingen, Ladbergen, Ahlen und Marl mit 11 bis 12 Prozent sowie Recklinghausen, Gelsenkirchen und Datteln mit fast 11 Prozent gegenüber 2008. Besonders positive Entwicklungen können nach dieser Modellrechnung wahrscheinlich die Gemeinden Nordkirchen (fast 30 Prozent), Altenberge (über 18 Prozent), Lotte (über 14 Prozent), Saerbeck und Ostbevern (13 Prozent und mehr) sowie Senden (fast 12 Prozent) erwarten.
Gegenüber 2008 werden 2020 nur noch 30 Kommunen ─ alle im Münsterland gelegen ─ wachsen, davon Schöppingen, Nordkirchen und Altenberge besonders stark. Nur noch 8 Kommunen des Münsterlandes werden eine konstante Entwicklung haben, während 28 Kommunen im Münsterland Einwohnerrückgänge zu verzeichnen haben. Dabei fällt Wadersloh mit über 10 Prozent deutlich heraus.
Insgesamt werden im gesamten Regierungsbezirk 44 Kommunen Einwohner verlieren, also die Mehrzahl.
Der demografische Wandel wird sich innerhalb der nächsten 20 Jahre auf viele bisherige Wachstumsgemeinden des ländlichen Raumes auswirken und damit auch zu schrumpfenden Bevölkerungszahlen im ländlichen Raum führen, so wie es im Ballungsraum der Emscher-Lippe-Region bereits heute sichtbar ist.
Die Ergebnisse der aktuellen Bevölkerungsprognose zeigen, dass eine gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung mit den Folgen des demografischen Wandels auch auf der regionalen Ebene immer dringlicher wird und eine dauernde Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte bleibt. „Es geht darum den Regierungsbezirk Münster mit seinen Teilregionen Münsterland und Emscher-Lippe zukunftsfähiger zu machen. Deshalb müssen wir heute die Fach- und Führungskräfte von morgen gut ausbilden und alles tun, damit sie nicht abwandern, sondern gerne in unserer Region bleiben“, mahnte Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek.
Die Veränderungen im Altersaufbau im Regierungsbezirk und in Nordrheinwestfalen kann jeder interessierte Bürger auf der Internetseite der Bezirksregierung Münster im Menüpunkt Regionalrat, Regionalplanung unter aktuellen Einwohner- und Flächendaten nachlesen. Dabei ist auch ein direkter Vergleich zwischen den Entwicklungen der einzelnen Städte und Gemeinden möglich, über einen beliebigen Zeitraum von 1975 bis zum Jahr 2030. Die Prognoserechnungen lassen sich mit Hilfe eines Auswertungsprogramms sogar automatisch wie ein Film abspielen. So entsteht ein sehr eindrucksvolles Bild des demografischen Wandels der gesamten Region und der einzelnen Kommunen.
Die genauen Zahlen stehen darüber hinaus allen Kommunen kostenfrei und direkt über die Bezirksregierung Münster und IT.NRW zur Verfügung. Privatpersonen, Institutionen und Unternehmen können die Daten gegen Erstattung der Kosten ebenfalls über IT.NRW erhalten.
- Modellrechnung zur künftigen Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Regierungsbezirks Münster – Bevölkerungsvorausschätzung 2009 – (PDF 1,1MB)
- Bevölkerungsentwicklung (4,9 MB xls)
- Bevölkerungspyramide (10,1 MB xls)
- Geburtenentwicklung (14,7 MB xls)
- Wanderung (5,6 MB xls)
20.11.2009

