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Erste Entwarnung:
Immissionswert für Benzol in Gelsenkirchen-Scholven im Januar deutlich unterschritten

Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller informiert sich bei BP

Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller lässt sich von BP-Produktionsleiter Dr. Josef Schmitz bei einer Ortsbesichtigung die Rohöldestillation sowie die Maßnahmen zur Verringerung der Benzol-Emission erläutern.

Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller lässt sich von BP-Produktionsleiter Dr. Josef Schmitz bei einer Ortsbesichtigung die Rohöldestillation sowie die Maßnahmen zur Verringerung der Benzol-Emission erläutern.

Münster/Gelsenkirchen. Die Benzolbelastung in Gelsenkirchen-Nord / Scholven ist deutlich gesunken, wie die Bezirksregierung Münster am Montag mitteilte. Die jetzt ausgewerteten Messergebnisse für den Monat Januar zeigen, dass der Immissionswert für Benzol an allen fünf Messpunkten mit großem Abstand unterschritten wurde. Die Belastung an dem bisher am stärksten betroffenem Messpunkt nördlich des BP-Geländes ist zurückgegangen auf 3,97 µg (Mikrogramm) Benzol pro Kubikmeter Umgebungsluft im Monatsmittel. Im letzten Quartal des Jahres 2011 war an dieser Stelle ein Mittelwert von 6,93 µg Benzol festgestellt worden. Dies sahen die Behörden als Warnhinweis, dass der Immissionsgrenzwert von 5 µg/m³ im Jahresmittel überschritten werden könnte. Die Benzolwerte wurden vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung Münster und der Stadt Gelsenkirchen ermittelt.

In den vergangenen Wochen haben Chemiker und Ingenieure der Bezirksregierung Münster und der BP im Norden von Gelsenkirchen-Scholven intensiv nach den Ursachen für die erhöhten Werte im letzten Quartal 2011 gesucht. Als wesentliche Emittenten kommen nach Auskunft der Bezirksregierung die Raffinerie der BP in Gelsenkirchen-Scholven sowie der Verkehr auf der Autobahn A 52 in Frage. Aus Kaminen oder Fackelanlagen der BP gelangen allerdings nur geringe Benzolmengen in die Umgebungsluft. Deshalb nahmen die Experten andere, unregelmäßige Quellen als mögliche Ursachen in den Blick. Dazu gehören Erdbauarbeiten auf dem BP-Gelände. Der Boden ist an manchen Stellen aufgrund früherer Belastungen, zum Teil noch aus der Kriegszeit, mit Benzol kontaminiert. Bei Arbeiten im Erdreich kann Benzol freigesetzt worden sein. Außerdem wurden die Tank-Atmungsarmaturen überprüft und Undichtigkeiten beseitigt.

Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller informierte sich jetzt selbst vor Ort über den Stand der Untersuchungen auf dem Gelände der BP Raffinerie und setzte sich in einem Gespräch mit der BP-Geschäftsleitung für eine schnelle Aufklärung ein. Um mögliche Quellen der Benzol-Emission künftig rascher identifizieren zu können, forderten die Experten der Bezirksregierung kurzfristig die Installation einer kontinuierlich messenden Station im nördlichen Bereich der Raffinerie. Verbunden mit einer Windrichtungsmessung liefere diese direkt Hinweise auf Leckagen und Undichtigkeiten, sodass unverzüglich Abhilfe geschaffen werden könne. Die Messstationen des LANUV werden dagegen nur im monatlichen Abstand ausgewertet. Norbert Kleine-Eggebrecht, leitender BP-Geschäftsführer, sagte der Regierungsvizepräsidentin die Anschaffung einer solchen Anlage zu.

Dorothee Feller warb bei BP zudem für verstärkte Öffentlichkeitsarbeit: "Es ist heute wichtiger denn je die Bürger ständig und offen zu informieren." Dies fordert Feller insbesondere auch im Hinblick auf die geplante Norderweiterung des BP-Betriebsgeländes und das umstrittene Containerdorf. "Die Öffentlichkeit muss verstehen können, warum die Erweiterung für BP und für die Region notwendig ist."

Auch wenn die jüngsten Messergebnisse Entwarnung signalisieren, setzt die Bezirksregierung die Ursachenforschung auf Hochtouren fort, um auszuschließen, dass es noch weitere Immissionsquellen gibt. Die Messdaten werden auch in den nächsten Monaten weiter kritisch beobachtet. Alle Beteiligten hoffen nun, dass die Benzolwerte dauerhaft unter dem zulässigen Mittelwert bleiben.


Der gesetzlich festgelegte Immissionsgrenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit nach der TA Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) sowie der 39. BImSchV (Verordnung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz) beträgt 5 µg/m3 als Mittelwert über ein gesamtes Kalenderjahr.

07.02.2012

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