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RP verleiht Bundesverdienstkreuz 1. Klasse an Hermann Josef Scheipers

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke und Prälat em. Hermann Josef Scheipers

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke und Prälat em. Hermann Josef Scheipers

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke hat heute (11. Mai) dem 98-jährigen Hermann Josef Scheipers aus Ochtrup das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Wege der Höherstufung verliehen.

Bereits am 25. November 2002 war Prälat em. Hermann Josef Scheipers für sein langjähriges Engagement für Toleranz und gegen Ausgrenzung und Diskriminierung mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Seitdem hat er mit ungebrochener und sogar gesteigerter Einsatzbereitschaft vor allem für junge Menschen eine wichtige Erinnerungskultur geschaffen.

Offen verurteilte er in der Hitlerzeit die Gräueltaten der Nationalsozialisten und bot jedem Bedürftigen seine Hilfe an. Vom Oktober 1940 bis 1945 wurde Scheipers wegen seines seelsorgerischen Einsatzes für polnische Zwangsarbeiter von den Nazis ohne Urteil eingesperrt, zunächst im Polizeigefängnis Leipzig und ab 28. März 1941 im KZ Dachau. Dort kümmerte er sich um seine Mithäftlinge, darunter viele Priesterkollegen. Allein von den 3000 Priestern im KZ Dachau sind 1000 umgekommen, davon 336 in der Gaskammer von Hartheim (Österreich). Schicksale, die ebenfalls nicht vergessen werden dürfen, mahnt Scheipers mit Blick auf die vielen anderen KZ-Opfer.

Unmittelbar als Hermann Scheipers selbst getötet werden sollte, rettete ihn seine inzwischen verstorbene Zwillingsschwester Anna am 27. April 1945 durch eine mutige Aktion und mit ihm hunderte weitere Priester.

Für ihn, den heute letzten Überlebenden Deutschen aus dem „Priesterblock“ des KZ Dachau, hatte die Tyrannei jedoch noch kein Ende. Er ging – gegen erhebliche Bedenken seiner Eltern - wieder in sein Wahlbistum Meißen, in die damalige sowjetisch besetzte Zone. Dort nahm er seine Tätigkeit als Priester wieder auf, zumal dort die Arbeit der Seelsorger besonders gefragt war. Dort versuchte das DDR-Regime, ihm als Seelsorger mit Hilfe zahlreicher Spitzel „staatsfeindliche Hetze“ nachzuweisen.

Seine Erfahrungen unter beiden Regimen veranlassten ihn, vor allem vor jungen Menschen, über die Bedeutung von Demokratie und Nächstenliebe zu sprechen. Mit unerschütterlichem Gottvertrauen und selbstloser Menschenliebe schildert er die Untaten der beiden diktatorischen Regime ohne Rachegefühle oder Hass. Niemals greift er die konkret handelnden Personen an.

Bis heute empfindet es Scheipers trotz seines weit fortgeschrittenen Alters als seine Pflicht, gegen das Vergessen von Leid anzukämpfen, das Menschen und Ideologien anderen zugefügt haben. So führte ihn 2009 eine Vortragsreihe in die USA und im Mai 2011 nach Spanien. Auch in Frankreich und in den Niederlanden war er als Zeit- und Glaubenszeuge eingeladen.

Noch bis vor wenigen Wochen reiste Scheipers durch Deutschland. Er war ein sehr gefragter Zeit- und Glaubenszeuge auf dem Weltjugendtag in Köln und dem Ökumenischen Kirchentag in München. Nach wie vor zieht er durch seine Vorträge zu Frieden und Gerechtigkeit jeden Zuhörer durch Detailwissen in seinen Bann. Verständlich schildert und erklärt er historische Zusammenhänge und entlarvt Manipulation und Beschönigung.

Papst Benedikt XVI. erinnerte nach seiner Rückkehr von seiner Papstvisite in Deutschland am 28. September 2011 in Rom öffentlich während einer Generalaudienz an die ihn noch sehr bewegende Begegnung mit Prälat Hermann Scheipers in Erfurt.

Mit zahlreichen Veröffentlichungen setzt Scheipers Zeichen gegen die Verharmlosung von Gewalt und gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung von Minderheiten und Andersdenkenden.

Seine Autobiographie ist bereits in der 6. Auflage erschienen.

Das Porträt von Hermann Scheipers, seine Lebensgeschichte, die der Nummer 24255, wurde 2011 in die Ausstellung „Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau“ übernommen, um am Beispiel einzelner ausgesuchter Häftlinge das Unbegreifliche vor dem Vergessen zu schützen. In dem 2011 erschienenen Buch „Christen im KZ – Glaubenszeugen im Nationalsozialismus“ werden 29 heroische Glaubenszeugen vorgestellt. Ein Kapitel ist Hermann Scheipers gewidmet.

Der MDR verfilmte sein Leben und das seiner Schwester Anna unter dem Titel „Dir gehört mein Leben“. Dieser in allen ARD-Sendern gezeigte Film liegt mit Hilfe des LWL seit Ende 2011 auch als DVD in deutscher, englischer und polnischer Sprache vor. Als modernes Kommunikationsmittel trägt es mit dazu bei, durch Zivilcourage und Gottvertrauen selbst in äußerst schwierigen Lebenszeiten Orientierung zu geben und Mut zu machen. 2011 entstand auch der dokumentarische Fernsehfilm „Nie die Hoffnung aufgeben“, den er mit dem Bayrischen Rundfunk drehte.

Bereits 1973 wurde Prälat Scheipers Ehrendomkapitular des Kathedralkapitels St. Petri Bautzen. Die Städte Hubertusburg-Wermsdorf und Schirgiswalde ernannten ihn 1997 beziehungsweise 2003 zum Ehrenbürger. Seit 2009 ist Scheipers Ehrenbürger der Stadt Williamsport in den USA. Papst Johannes-Paul II. ernannte ihn für sein vielfältiges und besonderes Engagement im Dienste der katholischen Kirche 2003 zum Päpstlichen Ehrenprälat.

Lebenslauf von Hermann Scheipers (PDF 77 kB)

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke beglückwünscht  Prälat em. Hermann Josef Scheipers

11.05.2012

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